Das war die re:publica XI für mich

Am letzten Freitag endete die fünfte re:publica in Berlin. Ich war das erste Mal dabei. Außerdem war es für mich die erste Konferenz dieser Größenordnung und meine Erwartungen waren aufgrund von vielen positiven Berichten der letzten Jahre und unzähliger Vorfreude-Tweets sehr groß, das muss ich zugeben. Ob sich die Teilnahme letztendlich gelohnt hat, ist gar nicht so einfach zu beantworten.

Eigentlich muss ich zu meinem persönlichen Fazit gar nicht viel schreiben, denn im Endeffekt scheinen sich fast alle einig zu sein, dass die 3 Tage im Friedrichspalast, der Kalkscheune und dem Quatsch Comedy Club zwar interessant und wichtig waren, ein etwas unzufriedenes Gefühl aber dennoch bleibt. Das WLAN funktionierte sehr sehr selten, die Räumlichkeiten waren zum Teil so voll, dass man entweder die gewünschte Session nicht besuchen konnte oder schon vorher einen Platz reservieren musste, und inhaltlich konnten nur ausgesuchte Vorträge wirklich mit Tiefe überzeugen, was sicherlich an der Breite des Themenspektrum lag. Dennoch waren natürlich auch Highlights dabei.

Meine persönlichen Highlights

  • Gleich im Anschluss an die Eröffnungrede erklärte Philipp Schäfer von ideo: “Design ist zu wichtig, um es den Designern zu überlassen”. Sein Vortrag zu Entstehung und Anwendung der Methode Design Thinking anhand des Beispiels openIDEO war wirklich sehr interessant. (zur Videoaufzeichnung)
  • Im Anschluss an Daniel Domscheit-Bergs Openleaks-Vortrag resümierte Peter Sunde das letzte Jahr für Flattr und stellte die zukünftige Planung und neue Funktionen vor.
  • Die Gesprächsrunde mit Julia Probst, Richard Gutjahr und René Walter war mit das Unterhaltsamste der drei Tage. Rene und Richard berichteten über die Geschichten, mit denen sie in den letzten Wochen viel Aufmerksamkeit erzeugten (Pfändung von nerdcore.de durch Euroweb und Richards Reise nach Ägypten während der Demonstrationen gegen Mubarak).
    Das eigentliche Highlight war allerdings Julia, die gehörlos ist und sehr gut Lippen lesen und Körpersprache deuten kann. Sie berichtete über ihren Twitter-Account (@einAugenschmauss), auf dem sie Fußballspiele kommentiert und zu erkennen versucht, was Spieler und Trainer so während der 90 Minuten zueinander sagen/schreien. Mit der der Körpersprachenanalyse versucht sie sich dann an Poloitikern und kommentierte z.B. die Westerwelle-Rede anfang Januar. (Hoffentlich blad als Video verfügbar)
  • Am Donnerstag Abend fand in der Kalkscheune eine Podiumsdiskussion zum Thema Social Media und Fußball/Bundesliga statt. Mit dabei waren z.B. Katharina Wildermuth (Pressesprecherin des 1. FC Nürnbergs), Oliver Fritsch (Hartplatzhelden) und Thomas Schneider (Koordinator für Fanangelegenheiten bei der DFL). Inhaltlich hat das Jonathan gut zusammen gefasst.
  • Zum Schluss gab es dann noch eine Gesprächsrunde zum Thema “10 Jahre Blogs in Deutschland”, in der Don Dahlmann die drei Blogger Felix Schwenzel, Jörg Kantel und Anke Gröner über die letzten 10 Jahre und Bloggen allgemein ausfragte. Gut zusammengefasst hat das @ramses101 in 140 Zeichen.

Was sonst noch gut war

  • Die, der Resonanz zur Folge, wohl beste Session kam von Gunter Dueck. „Das internet als Gesellschaftsbetriebssystem“ lautete der Titel und wer, wie ich, leider nicht dabei war, bekommt hier die Möglichkeit, sich selbst einen Eindruck zu machen.

  • Aber auch Sascha Lobos Beleidigungen zur Trollforschung sollen sehr unterhaltsam gewesen sein, auch wenn er das nicht wollte.

Ausschau & Fazit

Es wurde ja bereits angekündigt, dass die re:publica im nächsten Jahr in einer neuen Location stattfindet. Das ist aufgrund des steigenden Andrangs auch dringend notwendig.
Inhaltlich muss man sich vielleicht fragen, ob das Konzept wirklich noch passt und man sich wirklich um alle Themen kümmern möchte oder es weiter eingrenzt und stärker in die Tiefe geht.

Um dann vielleicht doch noch die Frage zu beantworten, ob es sich gelohnt hat: Ja, einfach mal dabei gewesen zu sein war schon sehr interessant für mich. Ob ich nächstes Jahr noch mal kommen würde, wenn der Input ähnlich sein sollte, müsste ich mir aber überlegen.

Am Ende geht noch ein großes Danke an all die fleißigen Helfer für die wirklich gute Organisation.

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Ich heiße Niclas Hellberg, komme aus Hamburg und arbeite momentan als Interaction Designer bei XING und Traumhaftes Italien. href="http://twitter.com">Twitter